Mottos 2017 - Gerhard Engel

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Mottos 2017

 

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2017
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Motto des Monats

Kommentar


August

Naturalismus ist ein dehnbarer Begriff.

                             Peter Strawson

Quelle:
Strawson, Peter F.: Skeptizismus und Naturalismus.
Frankfurt am Main: Athenäum 1987, S. 13.

In einer Umfrage an angelsächsischen Universitäten zum Thema „Naturalismus oder Nicht-Naturalismus?" bekannte sich vor einigen Jahren etwa die Hälfte der befragten PhilosophInnen zum „Naturalismus", 26% zum „Nicht-Naturalismus". Etwa 24% waren jedoch unentschieden – und das wäre nach Auffassung Strawsons durchaus keine unvernünftige Position.
Nach Auffassung des Naturalismus geht es in der Welt ‚mit rechten Dingen zu‘: Auf lange Sicht werde es uns gelingen, alle Vorgänge naturgesetzlich zu erklären, also ohne den Horizont der Biologie zu überschreiten. Darüber hinaus feiern wir es als Erfolg, wenn wir biologische Gesetze auf chemische Gesetze, diese wiederum auf physikalische Gesetze zurückführen, „reduzieren" können. Kein Zweifel: Als Heuristik war und ist dieser reduktionistische Grundsatz äußerst erfolgreich; er hat dem reduktiven Naturalismus daher auch zahlreiche Anhänger beschert. Warum dann überhaupt der erbitterte Streit um den Naturalismus?
Für seine Gegner sieht er seine Grenzen nicht. Zum einen gibt es zahlreiche Probleme, die ohne Berücksichtigung naturwissenschaftlicher und evolutionärer Gesichtspunkte fruchtbar behandelt werden können – etwa  Methoden und Maßstäbe der Textinterpretation, große Teile von Geschichte und Geistesgeschichte sowie zahlreiche Geistes- und Sozialwissenschaften, die ja mit Recht als „Humanities" bezeichnet werden. (Man wünscht sich, dass heutige Naturalisten endlich auch der Ökonomik den ihr gebührenden Platz in ihrer Weltanschauung einräumen.) Der reduktive Naturalismus könne daher nicht für alle Wissenschaften eine Leitfunktion beanspruchen. Zum anderen habe er auf seinem eigenen Gebiet zentrale Fragen bisher nicht beantwortet – und nach Emil Du Bois-Reymond wird er sie auch niemals beantworten können: Warum es überhaupt ein Universum mit den bisher bekannten Eigenschaften gibt; wie das Leben entstand, dessen Entwicklung Darwin untersuchte; wie man Geist und Bewusstsein naturalistisch verstehen kann – und vielleicht auch, warum und wie der Mensch als Organismus (!) einen so tiefgreifenden Einfluss auf die Natur ausüben kann.
Nach Strawson tun wir jedenfalls gut daran, eine pragmatischere Einstellung zum Problem des Naturalismus einzunehmen. Wenn sich reduktive naturalistische Verfahren zur Beantwortung bestimmter Fragestellungen eignen, dann soll man sie anwenden; wenn nicht, dann nicht. Ein umfassender („katholischer oder liberaler", S. 13) Naturalismus impliziert daher nicht die Beseitigung eines Untersuchungsgegenstandes durch die Ablehnung von Forschungsfragen, sondern er zielt auf die „Vermittlung" (S. 54) zwischen den Traditionen ihrer Beantwortung. Und dann kann der Naturalismus auch ein Humanismus sein.

Juli


Absolute, unbegrenzte Freiheit bedeutet nur absolute Macht, und zwar über andere.

     Ernst-Wolfgang Böckenförde

Juni



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